
» Erinnerungsstücke an das geliebte Kind begleiten die Gesprächstherapie.

Jochen Künzel
Leitung Verwaisten Reha

Monika Teufel
Tel.: 0 77 05 / 92 01 85
teufel@
kinderkrebsnachsorge.de
Behandlungskonzept einer stationären Rehabilitation von verwaisten Familien

In einer Gruppe von bis zu zehn Familien nehmen Sie an unserem Rehabilitationsprogramm für verwaiste Familien teil, individuell betreut von einem interdisziplinären Team.
Während die Geschwisterkinder in die Kinder- und Jugendgruppen der parallel stattfindenden Rehabilitationsmaßnahme für Familien mit chronisch kranken Kindern integriert werden, treffen sich die Eltern zweimal in der Woche in einer eigenen Gesprächsgruppe. Diese acht Gruppensitzungen sind das Herzstück der Verwaisten Rehabilitation in unserem Haus und bieten einerseits die entlastende Möglichkeit, sich mit anderen betroffenen Eltern auszutauschen.
Andererseits tragen thematische Inputs wie z.B. unterschiedliche Trauer innerhalb der Partnerschaft, Geschwistertrauer, Rituale etc. mit dazu bei, die Fähigkeit zu Trauern zu stärken.
Weitere Ziele in diesem Zusammenhang sind u.a. Sicherheit auf dem individuellen Trauerweg zu finden, Raum für die Trauer zu erhalten, die Handlungsspielräume in Bezug auf die Beziehungsgestaltung innerhalb der Familie wie auch im weiteren sozialen Umfeld zu erhöhen, um eine verbesserte soziale Unterstützung zu ermöglichen.
Ergänzend zu den Gruppensitzungen können je nach Bedarf psychotherapeutische Einzel- und Paargespräche und/oder Erziehungsberatung wahrgenommen werden. Die Themen orientieren sich dabei an den unterschiedlichen Bedürfnissen der einzelnen Familienmitglieder.
Neben den gesprächsorientierten Therapieverfahren steht den verwaisten Eltern die Kunsttherapie als Einzel- oder Gruppenverfahren zur Verfügung. Durch das kreative Gestalten ist es möglich, sich nonverbal auszudrücken. Durch das Malen und Gestalten mit Medien wie Farben, Ton, Speckstein, Holz u.a. finden die verwaisten Eltern häufig einen Weg zu Aspekten der Trauer, die ihnen im Gespräch nicht zugänglich sind. Eine künstlerische Begabung ist als Voraussetzung nicht erforderlich.
In jeder Verwaistenrehabilitation gibt es ein zusätzliches Angebot eines externen Therapeuten, um eine größere Methodenvielfalt bieten zu können. Dabei handelt es sich um Angebote wie Schreibwerkstatt, Steinbearbeitung oder Trauer in Bewegung und Poesie.
Verwaiste Geschwisterkinder werden gemeinsam mit den Kindern der parallel statt findenden Familienreha in altersspezifischen Kindergruppen betreut. Ab dem Alter von 4 Jahren werden sie in einer einmal wöchentlich stattfindenden, therapeutisch geleiteten Geschwistergruppe für verwaiste Kinder betreut.
Auch sie sollen einen Raum bekommen, um ihrer individuellen Trauer um ihre verstorbenen Geschwister Ausdruck geben zu können, weniger in Gesprächsrunden, sondern altersentsprechend mit gestalterischen Mitteln. Am Ende der vier Wochen ist es uns dann möglich, eine fachlich fundierte Einschätzung des Trauerprozesses der Kinder und gegebenenfalls eine Empfehlung für eine weitergehende ambulante Begleitung zu geben.
Zusätzlich zu den oben angeführten speziellen Angeboten für verwaiste Familien können die RehateilnehmerInnen am gesamten Angebot der Klinik teilnehmen. Dies geht von Angeboten der medizinisch-physiotherapeutischen Abteilung (Fango, Massage, Rückengymnastik, Migränetherapie, Aquatraining) über Kreativ- und erlebnispädagogische Angebote im freizeitpädagogischen Bereich bis hin zu Reiten, Schwimmen oder sportlichen Angeboten wie Nordic Walking oder Bogenschießen. Ebenso können Entspannungsverfahren wie Fantasiereisen, Qigong oder Progressive Muskelrelaxation erprobt und eingeübt werden.
Alle Angebote richten sich nach den individuellen Beschwerden, Zielen, Interessen, Wünschen und Ressourcen der RehateilnehmerInnen und werden aufeinander abgestimmt.
Sie werden im Austausch mit anderen verwaisten Familien erleben, dass es Wege gibt, Ihrer Trauer zu begegnen, ohne die Erinnerung an das geliebte Kind zu verdrängen.